...und täglich grüßt das AKW!

28.07.2015 18:42 von Sabine Driehaus

Wir bauen uns ein Atomkraftwerk, British Edition

Wenn die dürfen, will ich auch!“ Was dem quengelnden Nachwuchs recht ist, ist der Wirtschaft billig: Einen „Präzedenzfall“ nennen das die Juristen. Im Klartext: Wenn in Großbritannien der Bau eines Atomkraftwerks mit der Zusicherung eines Strompreises von 11 Cent pro Kilowattstunde plus Inflationsausgleich für 35 Jahre staatlich gefördert werden darf (also wesentlich mehr als z.B. deutscher Solarstrom!), können Kraftwerksbetreiber anderer Nationen aufgrund der Wettbewerbsregelungen der EU gleiches für sich fordern. Auch hierzulande stehen viele Politiker guten Argumenten aus der Wirtschaft recht aufgeschlossen gegenüber, und dass RWE & Co. ihre Atomkraftwerke nicht klaglos aufgeben, haben sie erst kürzlich hinreichend unter Beweis gestellt. Nun noch mit Schützenhilfe aus Brüssel. Also:

Tschüss, Energiewende?

Nach dem schrittweisen Abbau der Förderung von erneuerbaren Energien, dem Wegfall der Vorrangstellung derselben und dem Festhalten an den alten Kohlekraftwerken ist die Entscheidung der EU zugunsten eines Begrüßungsgeldes für die Atomenergie ein weiterer Nagel zum Sarg der Energiewende. Was würde ein Ausstieg aus dem Atomausstieg für uns bedeuten?

Die Bayrische Staatsregierung würde vermutlich frohlocken wie der Münchner im Himmel – hat sie es nicht immer schon gewusst, als sie sich gegen den Windstrom aus dem Norden zur Wehr setzte? Man hat doch Atomkraftwerke, und wen kümmert schon die Entsorgung des radioaktiven Mülls? Schließlich gibt’s ja noch Gorleben, und das ist weit weg. Castoren auf bayrischem Boden duldet der Freistaat nicht. Aber die bayrische Regierung wartet ja auch bekanntlich immer noch auf die göttlichen Eingebungen...

Selbst wenn die Atomkraft sicher wäre – was sie nicht ist - und wenn wir ein Endlager für den Atommüll hätten – was wir nicht haben – bliebe immer noch unsere steigende Stromrechnung: Die horrenden Subventionen, ohne die der Atomstrom unwirtschaftlich wäre (siehe Hinkley Point), die Endlagerung mit all ihren Pannen (siehe Asse) und der Rückbau (auch ein Atomkraftwerk kommt mal in die Jahre) haben einen Preis. Den wir bezahlen.

Wir können uns aber auch dagegen wehren

Die österreichische Regierung hat mit Unterstützung Luxemburgs beim Europäischen Gerichtshof Klage gegen den EU-Beschluss eingereicht. Ein Bündnis aus deutschen (Öko-) Stromversorgern will folgen. Dass ausgerechnet unsere Bundesregierung hier die Füße still hält, lässt nichts Gutes für die Zukunft der Energiewende ahnen. Zeigen wir, dass wir umweltfreundlicheund kostengünstige Energieformen wollen! Als Bürger der EU hat jeder von uns das Recht, bei der Energiekommission Beschwerde einzulegen. Auch ein Wechsel zu einem Ökostromanbieter setzt ein Zeichen.

Zur Erinnerung: Der Bau der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf scheiterte seinerzeit am Protest der Bürger.

...'luja, sog i!“

 

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